Innauer Matt

Zurück zu 

den Wurzeln

Noch immer kommen beinahe wöchentlich Kunden ins ehemalige Fotogeschäft Hiller in Bezau, um einen Film oder Kamerazubehör zu kaufen. Dabei ist hier seit nunmehr fast 10 Jahren eines der interessantesten, jüngeren Architekturbüros Vorarlbergs beheimatet. „Der Raum hat es uns einfach angetan. Es war sowas wie Liebe auf den ersten Blick. Und bei Apfelstrudel und Schnaps wurden wir schlussendlich mit der Vermieterin einig“, erzählt Markus Innauer, wie er und sein Partner Sven Matt hier ihren Platz gefunden haben.

 

Die beiden gebürtigen Wälder wollten nie gezielt zurück in ihre Heimat. Es war eher dem Zufall geschuldet, dass sie in Bezau ihr gemeinsames Büro gründeten. „Wir waren anfangs sogar eher skeptisch, ob das der richtige Ort für uns ist, so weit weg vom Schuss“, erklärt Sven Matt. Heute sind sich beide sicher, dass es der richtige ist – hier in unmittelbarer Nähe zu den wahrscheinlich besten Handwerkern im deutschsprachigen Raum, zu den Wurzeln ihrer Jugend und in diesem so besonderen Büro. Immerhin hat kein geringerer als Altmeister Leopold Kaufmann seinerzeit den Stadel des Bauernhauses zum Fotostudio umgebaut.

 

Markus Innauer und Sven Matt kennen sich seit frühester Jugend. In der Hauptschule in Bezau sind sie sich das erste Mal begegnet. Und im Metzgerstüble und anderen legendären Wälder „Spunten“ vertieften sie ihre Freundschaft. Das Studium absolvierten sie eher parallel, ohne große Berührungspunkte. „Wir haben uns eigentlich nur in den Bars getroffen“, schmunzelt Sven Matt. Während er auf der TU studierte, war Markus an der Angewandten. Ihn führte der gewonnene Wettbewerb um das neue Panoramarestaurant der Seilbahn Bezau wieder nach Vorarlberg. Sven kam über andere Stationen zurück ins Ländle und arbeitete zunächst im Büro von Bernardo Bader.

 

„Wir verstanden uns früher schon gut und irgendwann reifte dann der Entschluss, miteinander was Eigenes zu machen“, beschreibt Markus Innauer die Anfänge des gemeinsamen Büros. Und der Erfolg gab ihnen recht. Schnell gewannen sie Wettbewerbe, erst noch in Arbeitsgemeinschaften, aber bald schon als Duo. Das Büro wuchs, die Aufgaben wurden größer und der Spaß am eigenen Tun beflügelte. „Wir haben von Anfang Dinge anders gemacht, das hat uns schnell ein eigenständiges Profil gegeben“, erzählen die beiden. Und auch heute noch bleiben sie diesem Grundsatz treu. Nicht aus Sturheit, aber aus Überzeugung. „Wir fordern viel und wir werden auch gerne gefordert“, sagen sie. Je anspruchsvoller ein Bauherr, desto reizvoller die Aufgabe und desto besonderer das Ergebnis. „Wichtig ist dabei aber immer, dass es ein kollaborativer Prozess ist“, betonen sie unisono. Konsens finden die beiden in der Regel, auch wenn die Ansichten durchaus unterschiedlich sein können.

 

Verschieden sind auch die Wunschprojekte der beiden. Während der bekennende Werder Bremen-Fan Markus Innauer gerne einmal ein Stadion bauen würde, steigt der Puls von Sven Matt bei der Vorstellung, ein Hochhaus zu planen – „so an richtig ghöriger Phallus“, wie er es selbst beschreibt. „Die Kapellen-Battle haben wir ja bereits hinter uns“, bemerkt Sven mit einem leichten Grinsen, das wohl darauf abzielt, dass Sakralbauten auf so ziemlich jeder Architekten-Projektwunschliste stehen. „Ihre“ Bergkapelle Wirmboden in Schnepfau bauten sie schon 2016.

 

Derzeit arbeitet das Büro am Neubau der Jägerbau-Zentrale in Bludenz. Und an einem für sie untypischen Projekt, einer Kunsthalle in Kassel. Untypisch deshalb, weil es eine Aufgabe weit außerhalb der Landesgrenzen ist. „Wir arbeiten eigentlich gerne in unserem direkten Umfeld – weil es viel einfacher und unkomplizierter ist, sowohl was Baunormen etc. betrifft, wie auch die Abwicklung und den Prozess selbst. Es entsteht einfach mehr, wenn man näher beisammen ist“, erklären Markus und Sven. Die Kunsthalle haben sie über einen Wettbewerb gewonnen, der schon vor drei Jahren zu ihren Gunsten entschieden wurde. Als sie schon nicht mehr an die Realisierung glaubten, fiel kurz vor dem Corona-Lockdown im März der Startschuss für das Projekt.

 

Zwischen sechs und acht Wettbewerbe machen sie pro Jahr. Und die Erfolgsquote ist sehr gut. Dabei scheuen sie auch das Risiko nicht. Wie etwa beim Neubau von Kindergarten und Schule in Bezau, wo sie höher geplant und die Dachform verändert haben. „Es ist natürlich schon was Besonderes, ein Projekt in der eigenen Gemeinde zu gewinnen“, sagen sie. Stolz zeigen sie noch andere ihrer jüngsten Projekte, wie das Strandbad Lochau, bevor wir den Besuch bei einem gemeinsamen Bier vor der Türe ausklingen lassen. Mit dem Gefühl, dass man von den beiden noch viel hören und sehen wird, verlassen wir gut gelaunt das Fotostudio Hiller.

 

innauer-matt.com 

Berghaus Eller
Foto: David Schreyer

Volksschule Bezau

Kindergarten Engelbach
Foto: Adolf Bereuter

Firmenzentrale Jägerbau

Haus für Julia und Björn
Foto: Adolf Bereuter

Kunstraum Kassel

Bergkapelle Wirmboden
Foto: Adolf Bereuter

Strandbad Lochau
Foto: Adolf Bereuter

Patscherkofelbahn
Foto: Adolf Bereuter

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