Dorte Mandrup

Dorte 

Mandrup

Dorte Mandrup hat sich auf unersetzliche Orte spezialisiert. „Wir heben das Bestehende hervor und schaffen neue Relevanz. Wir entwerfen Architektur von einem künstlerischen Ausgangspunkt aus. In unserem Streben nach der ultimativen Synthese verbinden wir unser Gespür für die Realität mit dem Mut, die Grenzen von Form und Materialität zu erweitern.“

 

Das Atelier von Dorte Mandrup Architekten befindet sich in Versterbro im Innhof eines Ensembles von mehreren Gebäuden in einem ehemaligen Lagerhaus. Die oberen beiden Stockwerke hat das Büro für sich adaptiert, übernommen von einem bekannten dänischen Komödianten. Lustig scheint es auch in den Tagen vor unserem Besuch gewesen zu sein. „Wir hatten eine große Party, weil Dorte 60 geworden ist. Drum stehen noch immer ein paar Geschenke herum und nicht alles ist wieder an seinem Platz“, entschuldigt sich Oanh Nguyen Henriksen, die uns am Lift empfängt, um uns durch das Büro zu führen. Sie ist eine der sechs Partner*innen, war davor bei 3XN Architekten, die unter anderem das National Aquarium in Kopenhagen geplant haben. Oanh ist für Business Development und Communications zuständig.

 

Die beiden Stockwerke sind über eine offene Stiege miteinander verbunden. Sie verbreitert sich seitlich zu Sitzstufen und ist so der zentrale Platz für Mitarbeiterinfos und interne Veranstaltungen. Unten, im offenen Aufenthaltsbereich, ist ein langer Tisch mittags der Treffpunkt für die Mitarbeitenden. Hier wird gekocht und gemeinsam gegessen. In den umliegenden Räumen sind ein paar verglaste Besprechungsmöglichkeiten untergebracht. Die Arbeitsplätze des Teams sind offen gestaltet, was für das kollaborative Entwickeln und Entwerfen unabdingbar ist. „Wir arbeiten immer in Teams, die sich die Bälle zuspielen, einzelne Projektschritte bearbeiten und so miteinander jedes einzelne Projekt strukturiert bearbeiten“, erklärt uns Oanh. Der kreative Kopf des Kollektivs ist Dorte Mandrup. Sie ist bei jedem Projekt dabei, vor allem natürlich in der Entwurfsphase, gibt Inputs zu den einzelnen Projektschritten und hat schlussendlich die letzte Entscheidungskompetenz.

 

Das Büro ist international tätig. Die Projekte gehen von Bildungseinrichtungen über Bürowelten, Museen und Kultureinrichtungen bis zu Projekten mit gemischter Nutzung sowie Hotels und Handelsflächen. „Wir gehen sehr analytisch vor, bewerten die Gegebenheiten, die Topografie, klimatische Einflüsse, Verkehrswege und natürlich auch kulturelle Fakten“, beschreibt Oanh den Zugang zu neuen Aufgaben. Dabei gibt es zunächst keine Einschränkungen oder No-Go´s.

 

„Wir nähern uns jedem Projekt auf sehr künstlerische, skulpturale Weise“, so Oahn. Das mag auch daran liegen, dass Dorte Mandrup Bildhauerei und das Arbeiten mit Keramik erlernt hat, bevor sie in Aarhus 1991 ihren Abschluss in Architektur machte. Seither ist sie nicht nur als Architektin, sondern auch als Vortragende, Professorin und Vorstandsmitglied verschiedener Institutionen gefragt – unter anderem im Präsidium des Louisiana Museums in Humlebaek 40 Kilometer nördlich von Kopenhagen.

 

Während wir durchs Büro spazieren, bleibt Oanh immer wieder stehen, zeigt uns Modelle von Projekte, die in jüngster Vergangenheit realisiert wurden oder gerade in Umsetzung sind. Wir verweilen länger bei The Whale. Das spektakuläre Gebäude in Andenes, Norwegen ist eine Homage an die Wale, die sich hier besonders häufig versammeln. Die Form ist so gewählt, als ob einer der sanften Riesen sich aus dem Meer heraus erhoben hätte und nun in der Landschaft eine Erhebung bildet. „Hier beim Modell sieht man, dass wir mit Fäden sogar die Windsituation simuliert haben“, erklärt unsere Gastgeberin. Nicht nur bei The Whale ist eine unkonventionelle, nicht vorhersebare Lösung entstanden. Grenzen zu überschreiten ist Programm bei Dorte Mandrup. „Kopfvoraus hinein, ausgestattet mit bedingungsloser Neugier und der unbändigen Leidenschaft, das Außergewöhnliche zu finden“, so beschreibt sie den Mindset ihres Teams, das sich aus 12 verschiedenen Nationalitäten zusammensetzt. Österreicher sind derzeit keine hier, schmunzelt Oahn.

 

Bemerkenswert sind auch die UNESCO-Weltkulturerbe-Projekte wie das Ilulisat Icefjord Center in Grönland oder die Projekte für das Wattenmeerzentrum in Dänemark, Holland und Deutschland. „Es braucht natürlich Fingerspitzengefühl. Aber gerade hier ist ein starkes Statement gefragt, um dem Thema und der Situation entsprechend Ausdruck zu verleihen“, so Oanh Nguyen Hendriksen. Und dieser Mut wird sehr oft belohnt. So ist Dorte Mandrup bei den ICO-NIC Awards 2021 des Deutschen Design Councils zur Architektin des Jahres gewählt worden. Und das Wattenmeerprojekt in Dänemark ist für den diesjährigen Mies van der Rohe Preis nominiert.

 

Am Ende des Tages braucht es für das Außergewöhnliche Nerven und Courage, so eines der Credos des Büros Dorte Mandrup. Aber es rentiert sich, würden wir sagen.

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