Immer die Nase im Wind

Immer die Nase 

im Wind

Die Designs von Nika Zupanc sind ungewöhnlich. Mal sind sie kräftig und provokant, mal feminin und fragil.

 

Seit Nika Zupanc sich vor rund 20 Jahren mit ihrem eigenen Studio in Ljubljana selbständig gemacht hat, finden ihre Arbeiten international große Beachtung und werden von zahlreichen großen Marken wie Moooi, Moroso oder Dior geschätzt. Sie hat mit bemerkenswerten Projekten und Entwürfen für Aufsehen gesorgt – wie etwa mit „I Will Buy Flowers Myself“ 2009 in Mailand oder 2013 mit ihrer Rauminstallation für Dior in der Galerie Courbe im Grand Palais in Paris.

 

Sie hat an der Akademie der Künste in Ljubljana Industriedesign studiert, hat 2000 mit ihrer Abschlussarbeit einen Preis der Universität gewonnen und machte sich gleich danach selbständig. 2004 kürte sie das British Council zur vielversprechenden Nachwuchshoffnung Osteuropas. Im Jahr darauf war sie eine der Finalistinnen für den internationalen Designaward IYDEY.

 

Wir haben sie coronabedingt via Zoom getroffen und mit ihr über ihre Arbeit gesprochen. „Design war schon immer meine ganz große Liebe“, sagt sie gleich zu Beginn unseres Treffens. „Ich bin Industriedesignerin aus voller Überzeugung und von ganzem Herzen“, so Nika weiter. Was sie daran besonders mag, ist die Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen. Jedes Mal von einer neuen Herausforderung stehen, knifflige Aufgaben lösen und dann der Moment, wo der Kunden begeistert „Ja“ sagt – das gibt ihr Kraft, Energie und Zufriedenheit. „Und ich lerne mit jedem Projekt dazu“, sagt sie. Wenn dann noch etwas Zeit bleibt oder es sich grad so ergibt, dann entwirft sie auch gerne mal etwas für ihre eigene Kollektion. „Aber das ist mir nicht so wichtig. Lieber mache ich Projekte mit anderen zusammen“, so Nika.

 

Für sie hat Design, haben die Möbel und Objekte, die sie entwirft, immer eine Aussage, eine Botschaft. „Möbel werden nicht als Deko entworfen, sie geben ein Statement ab“, ist sie überzeugt. Sind deshalb viele ihrer Entwürfe bewusst weiblich, wollen wir wissen? „Ja, wahrscheinlich schon. Ich will damit sicher auch ein Zeichen setzen in dieser immer noch sehr Männer dominierten Welt“, erklärt sie. „Ich spiele gerne mit diesen Rollenbildern.“ So wird aus einem Taschenspiegel eine Herdplatte. Oder aus einem Staubwedel ein elegantes Objekt.

Was die Materialien für ihre Arbeit betrifft, so hat sie keine Präferenz – auch wenn sehr viel Metall im Spiel ist. „Ich kann mir gut vorstellen, dass bald etwas aus Holz in unserem Studio entsteht“, sagt sie mit einem geheimnisvollen Lächeln. Zu fünft arbeiten sie, ergänzt mit Freelancern, wenn es das jeweilige Projekt verlangt. Auch sie nützt die etwas ruhigere Zeit für viele neue Entwürfe. „Wir arbeiten aktuell mit drei großen Möbelmarken zusammen“, verrät sie, auch wenn sie noch keine Details nennen kann.

 

Nika ist aber auch an Architektur interessiert. „Die Konzeption und Gestaltung von ganzen Räumen hat mich schon immer fasziniert“, sagt sie. Sie könnte sich gut vorstellen, einmal ein richtig komplexes und gesamtheitliches Projekt zu machen. „Ich bin da sehr flexibel, von ganz klein bis richtig groß“, so Nika. Überrascht hat sie uns mit der Antwort auf die Frage, was denn ein Wunschprojekt von ihr wäre. „Ein Auto“, kommt es wie aus der Pistole geschossen. „Das ist so komplex, so anspruchsvoll – das würde mich extrem reizen. Und außerdem tut sich beim ganzen Thema Transport so viel, da gäbe es ein großes Betätigungsfeld“, so ihre Erklärung für den ungewöhnlichen Wunsch.

 

Ein anderes Herzensprojekt hat sie schon ungesetzt: Ihre eigene Surfboard-Kollektion, in Zusammenarbeit mit dem slowenischen Label Flika Boards. „Ich bin selbst begeisterte Surferin und ich wollte einfach ein Board, das nicht wie alle anderen aussieht“, erzählt Nika. „Und vielleicht mögen ja auch Männer mein Design. Auffallen würden sie auf jeden Fall“, grinst sie. Dieses Jahr gibt’s übrigens eine neue Kollektion. Auch damit beweist Nika die tiefe Verbundenheit zu Slowenien, ihrer Heimat. „Ich möchte nirgends anders leben, als hier“, sagt sie. Warum sollte sie auch? Dass man als erfolgreiche Designerin nicht in Mailand, Paris oder New York sitzen muss, hat sie längst bewiesen. „Meine Herkunft und meine Vergangenheit haben mich und meine Arbeit geprägt. Drum bin ich hier genau am richtigen Platz“, sagt sie stolz. In Zeiten von Zoom ist das ohnehin relativ, wie wir gerade wieder einmal festgestellt haben.

 

In diesem Sinne: Danke für das Gespräch, Nika. Und vielleicht bis Herbst in Mailand …

 

www.nikazupanc.com

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